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Passwörter in der Praxis: Schluss mit der Zettelwirtschaft

Sie kennen das Bild: der gelbe Zettel am Monitor, das Passwort im Schreibtischfach, das eine Kennwort, das alle im Team benutzen. Verständlich – aber ein vermeidbares Risiko. Es geht auch sicher und bequemer.

Warum die Zettelwirtschaft gefährlich ist

  • Sichtbarkeit: Wer am Empfang vorbeikommt, sieht den Zettel – auch Patienten und Fremde.
  • Geteilte Passwörter: Nutzen alle dasselbe Kennwort, lässt sich nicht nachvollziehen, wer was getan hat – und beim Ausscheiden einer Person müsste eigentlich alles geändert werden.
  • Schwache Passwörter: Was man sich leicht merkt, ist meist auch leicht zu erraten.
  • Mehrfachnutzung: Ein geknacktes Passwort öffnet gleich mehrere Türen.

Die IT-Sicherheitsrichtlinie verlangt nicht ohne Grund sichere Passwörter und klare Zugriffsrechte.

Die Lösung: ein Passwortmanager

Ein Passwortmanager speichert alle Zugangsdaten verschlüsselt an einem Ort. Sie merken sich nur noch ein starkes Master-Passwort – den Rest übernimmt das Programm.

Was ein Passwortmanager leistet

  • Sichere Passwörter erzeugen: Auf Knopfdruck entstehen lange, zufällige und damit kaum zu erratende Passwörter – für jeden Zugang ein eigenes.
  • Sicher verwahren: Alle Zugänge liegen in einem verschlüsselten Tresor, geschützt durch ein einziges Master-Passwort und idealerweise zusätzlich durch Multi-Faktor-Authentifizierung.
  • Automatisch ausfüllen: Anmeldedaten werden auf der richtigen Seite automatisch eingesetzt – das spart Tipparbeit und schützt zugleich vor gefälschten Phishing-Seiten.
  • Geräteübergreifend synchronisieren: Passwörter sind auf allen Geräten aktuell; Änderungen stehen sofort überall zur Verfügung.
  • Sicher im Team teilen: Zugänge, PINs, Lizenzschlüssel oder vertrauliche Notizen lassen sich gezielt freigeben – auch, ohne das Passwort selbst sichtbar zu machen.
  • Überwachen und warnen: Der Manager erkennt schwache, mehrfach genutzte oder bei bekannten Datenlecks kompromittierte Passwörter und schlägt Alarm.

Für Praxen setze ich gern auf Vaultwarden – eine datenschutzfreundliche Open-Source-Lösung, die auf einem NAS oder kleinen Server in Ihrer Praxis läuft. Ihre Passwörter bleiben damit unter Ihrer Kontrolle und liegen nicht bei einem fremden Anbieter.

Warum heute schon starke Passwörter zählen – „Harvest now, decrypt later"

Angreifer stehlen verschlüsselte Daten oft, ohne sie sofort knacken zu können – und legen sie einfach auf Halde. Die Rechnung: Sobald die Technik zum Entschlüsseln bereitsteht (etwa durch leistungsfähige Quantencomputer), werden die gesammelten Daten nachträglich geöffnet. Was heute sicher wirkt, kann in einigen Jahren lesbar sein. Genau deshalb lohnen sich lange, einzigartige Passwörter und eine saubere Verschlüsselung schon jetzt – nicht erst, wenn es zu spät ist.

Der Vorteil für das Team

Mit einem klaren Rechtekonzept sieht jede Person nur die Zugänge, die sie wirklich braucht. Scheidet jemand aus, entziehen Sie den Zugriff mit einem Klick – ohne dass die ganze Praxis neue Passwörter lernen muss.

Tipp: Länge schlägt Komplexität

Der wichtigste aktuelle Rat zur Passwortsicherheit lautet: Ein langes Passwort ist sicherer als ein kurzes mit vielen Sonderzeichen. Ein kryptisches P4$w! ist schnell geknackt – eine Aneinanderreihung mehrerer Wörter wie Tasse-Regen-Fahrrad-Mond hingegen leicht zu merken und für Computer extrem schwer zu erraten.

Die gute Nachricht: Mit einem Passwortmanager müssen Sie sich solche Passwörter ohnehin nicht mehr merken – nur das eine Master-Passwort. Und genau dieses sollte richtig lang sein, zum Beispiel ein ganzer Satz mit vier bis fünf Wörtern.


Wie sich Vaultwarden in Ihrer Praxis einrichten lässt, lesen Sie unter Praxis-Tools.